Bulgarien

Bulgarien, ein überwiegend orthodox-christliches Land auf dem westlichen Balkan, war von 1944 bis 1989 ein kommunistischer Staat.
Bulgarien ist reich an Geschichte und Kultur und gehört zu den ältesten Ländern Europas – es besteht seit dem Jahr 681 n. Chr. Zudem befindet sich hier die älteste bewohnte Stadt Europas, Plovdiv, die seit 8'000 Jahren existiert.

Dank unserer grosszügigen Paten sind wir seit 2001 in Bulgarien aktiv. Aktuell unterstützen wir 189 Familien in drei Gemeinschaften, um ihnen zu helfen, ihr Potenzial zu entwickeln und eigenständig für sich zu sorgen.

Erfahren Sie, wie wir Familien, die von einer besseren Zukunft träumen, emotional und materiell unterstützen.

Kommunismus und Korruption

Bulgarien, ein überwiegend orthodox-christliches Land auf dem westlichen Balkan, war von 1944 bis 1989 ein kommunistischer Staat. Abweichende Meinungen wurden hart bestraft, und Tausende von Menschen wurden aus politischen und religiösen Gründen inhaftiert. Lebensmittelknappheit und lange Warteschlangen beim Einkaufen waren üblich.

Die Umstellung auf freie Marktwirtschaft brachte jedoch nicht den Wohlstand, den viele sich erhofft hatten. Nach dem Fall des Kommunismus wurden die Ressourcen des Landes überwiegend einigen wenigen korrupten Personen und Familien zugeteilt, während der Grossteil der Bevölkerung wenig Zugang zu Kapital hatte. Es folgten weit verbreitete Korruption und Jahre wirtschaftlicher Krisen, die in den 1990er Jahren zur Hyperinflation führten und grosse Proteste auslösten.

Sommerlager und Unterstützung für Kinder in Waisenhäusern

Pro Adelphos begann ihre Tätigkeit in Bulgarien 2001 mit Sommerlagern für Kinder, die in Waisenhäusern lebten. 1989, nach dem Fall des Kommunismus, lebten 27'400 Kinder (fast jedes hundertste Kind) in bulgarischen Institutionen, und bis 2001 war diese Zahl auf 30'000 gestiegen.

Die Mehrheit der Kinder waren keine Waisen, doch es gab wenig Unterstützung für Familien, die mit Armut oder Behinderungen zu kämpfen hatten. Die staatlichen Einrichtungen wurden als förderlich für den Gemeinschaftsgeist und eine effizientere Pflege angesehen. Die Realität aber sah ganz anders aus.

In unseren Sommerlagern erhielten die Kinder von unseren Mitarbeitenden und Freiwilligen liebevolle Unterstützung, sie erlebten ihren eigenen Wert und genossen besondere Erlebnisse, an die sie sich gerne erinnern. Das Team besuchte die Kinder auch das ganze Jahr über in den Waisenhäusern und bot kontinuierliche Unterstützung.

Durch einen Prozess der De-Institutionalisierung leben heute nur noch weniger als 1'200 Kinder in Bulgarien in Waisenhäusern.

Das ärmste Land der EU

Der nächste Schritt des Hilfswerks in Bulgarien war 2005 die Eröffnung von Suppenküchen zur Unterstützung armutsbetroffener Menschen und ab 2008 die Unterstützung von älteren und behinderten Menschen in Sofia.

Bulgarien trat 2007 der EU bei, und trotz Verbesserungen ist es heute das ärmste Land der EU, mit 22 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Korruptionsrate bleibt hoch – sie ist die zweithöchste in der EU.

Mehr als jedes vierte Kind in Bulgarien lebt in Armut. Kinder sind hier mehr als doppelt so häufig von materieller Entbehrung betroffen wie im EU-Durchschnitt.

Neben hoher Arbeitslosigkeit führen niedrige Löhne auch zu einem anhaltenden Problem der Erwerbsarmut. Demografische Trends, einschliesslich einer alternden Bevölkerung und der Abwanderung junger Menschen, stellen langfristige Herausforderungen für die soziale und wirtschaftliche Stabilität Bulgariens dar. Auf der Suche nach Arbeit und besseren Chancen ziehen jedes Jahr mindestens 60'000 Menschen ins Ausland.

Armut und Obdachlosigkeit bekämpfen

Um darauf zu reagieren, haben wir 2010 begonnen, Familien im Südwesten Bulgariens in unser Patenschaftsprogramm aufzunehmen. Nach der Umstellung auf Marktwirtschaft wurden hier viele Fabriken geschlossen, und die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Es ist eine der ärmsten Regionen Bulgariens, und viele Menschen sind verzweifelt und hoffnungslos. Die Hygiene ist auf einem kritischen Niveau, viele haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung; Familien kämpfen darum, Essen auf den Tisch zu bringen, und die Wohnverhältnisse sind oft desolat.

Zuerst begannen wir in Krupnik, später in Gotse Delchev und schliesslich in Ognyanovo, hauptsächlich mit Roma-Familien zu arbeiten. Unsere materielle, emotionale und unterstützende Begleitung zielt darauf ab, Familien einen Weg aus der Armut zu ermöglichen.

2012 haben wir in Sofia mit unserem «Street Mercy»-Programm begonnen, das obdachlose Menschen mit warmen Mahlzeiten und praktischer Unterstützung versorgt.

Die Roma: eine Gemeinschaft am Rande der Gesellschaft

Bulgarien ist Heimat einer der grössten Roma-Populationen in Europa – eine Gemeinschaft, die in vielen Bereichen mit Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung konfrontiert ist.

86 % der Roma-Familien in Bulgarien sind armutsgefährdet, verglichen mit 22 % der allgemeinen Bevölkerung, gemäss der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte.

Obwohl Schulsegregation in Bulgarien verboten ist, erfolgt sie oft faktisch, da Roma-Kinder häufig Schulen von geringerer Qualität besuchen als ihre bulgarischen Altersgenossen. Viele Roma-Eltern können auch die Kosten für Schulmaterial, den Schulweg, Mittagessen und saubere Kleidung nicht aufbringen, weshalb Roma-Kinder die Schule häufiger frühzeitig abbrechen. Frühe Heirat ist ebenfalls ein Risiko.

Eine nachhaltige Zukunft für Roma-Familien

Als Pro Adelphols arbeiten wir eng mit Roma-Familien zusammen, um nachhaltige Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Erfahren Sie mehr über die Wirkung unseres Familienpatenschaftsprogramms für Roma-Familien.

Unsere Nachhilfegruppen in Krupnik und Gotse Delchev spielen eine wichtige Rolle dabei, Roma-Kinder zu fördern, sodass sie in der Schule bleiben und aufblühen können – und viele der Kinder, mit denen wir arbeiten, sind die ersten in ihren Familien, die eine Sekundarschule besuchen.